Hier kommen ihre Geschenke an

Mit Menschen teilen, die zu wenig haben – das ist die Idee von 2 x Weihnachten. Die Aktion gibt es bereits seit 20 Jahren und bietet auch die Möglichkeit, virtuelle Pakete zu spenden. Diese sind besonders für Länder wie Armenien sinnvoll, wie die Reportage zeigt.

Was sie sich zu Weihnachten wünsche? Camilla lächelt schüchtern, spielt mit einer Haarsträhne und senkt den Blick. «Ich weiss nicht», sagt die 16-Jährige mit einem kaum merklichen Schulterzucken. «Ich möchte weg aus dieser Wohnung», fügt sie nach längerem Zögern an. Camilla lebt mit ihrer Grossmutter Averghina Ljubov und ihrer dreijährigen Schwester Susanna in einer Einzimmerwohnung in einem heruntergekommenen Wohnblock aus der Sowjetzeit in der Stadt Wanadsor im Norden von Armenien. Die drei teilen sich ein Bett. Fliessendes Wasser und Toilette gibt es nur im Gemeinschaftsbad auf dem Gang, wo der Verputz von den Wänden blättert. Ein Schrank in der Mitte des Zimmers trennt den Koch- und Essbereich dürftig vom Schlafbereich ab. Privatsphäre ist hier ein Fremdwort.

Einen Raum ohne Wasseranschluss mit Gemeinschaftsbad: Etwas Besseres kann sich die Grossmutter für ihre Enkelinnen nicht leisten

Zu wenig, um zu überleben
Eine grössere Wohnung kann sich die kleine Familie nicht leisten. Nachdem sich ihre Tochter schwer verschuldet hatte, verkaufte Averghina Ljubov vor elf Jahren ihr Haus und zog in die Einzimmerwohnung. Als die Schulden mit dem Geld aus dem Hausverkauf abbezahlt waren, verschwand die Tochter aus der Stadt und liess Averghina allein mit den beiden Enkelinnen zurück. Seither kümmert sich die 62-Jährige liebevoll um die Mädchen, kommt dabei aber nicht nur finanziell an ihre Grenzen. «Oft weiss ich nicht, wie ich uns durchbringen soll. Ich möchte den Kindern so gerne ein besseres Leben bieten, das ist aber unmöglich», sagt sie. Die drei Personen leben von einer Rente von umgerechnet knapp 90 Franken im Monat. «Nur dank der Unterstützung durch das Armenische Rote Kreuz ist es mir überhaupt möglich, uns über Wasser zu halten», erklärt sie.

«Dank dem Lebensmittelpaket vom Roten Kreuz überstehen wir die Wintermonate.»

Zwei Mal pro Woche schaut Valja Derzjan, eine freiwillige Helferin des Armenischen Roten Kreuzes, bei der Familie vorbei und unterstützt sie in alltäglichen Besorgungen, beantwortet Fragen oder löst ein Problem. In den Wintermonaten bringt das Rote Kreuz alle drei Monate ein Paket mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln vorbei. «Das ist unsere Versicherung, den Winter zu überstehen. Ich wüsste nicht, was ich ohne die Unterstützung des Roten Kreuzes machen würde», sagt Averghina und drückt dankbar die Hand von Valja Derzjan.

Mit Mitteln aus der kommenden Aktion 2 x Weihnachten werden armenische Familien wie diejenige von Averghina unterstützt. Über ein Drittel der Bevölkerung in Armenien lebt unter der Armutsgrenze. Der Binnenstaat im Kaukasus wurde 1988 durch ein starkes Erdbeben schwer getroffen, was einige Regionen noch immer belastet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeit 1991 geriet der junge Staat in eine schwere Wirtschaftskrise, wovon er sich bis heute nicht erholt hat. Dank den Schweizerinnen und Schweizern, die ein virtuelles Paket* spenden, wird das SRK für die Bedürftigsten vor Ort die Waren einkaufen und verteilen, welche am dringendsten gebraucht werden.

Camilla (16), Susanna (3) und Grossmutter Averghina Ljubov werden Lebensmittel von 2 x Weihnachten erhalten, die das SRK dank virtuellen Paketen verteilen kann

 

KURZ BEFRAGT

Josef Reinhardt: Der Leiter Katastrophenhilfe Inland ist beim SRK seit 2005 auch verantwortlich für die Aktion 2 x Weihnachten.

Weshalb wird neu Armenien Spenden von 2 x Weihnachten erhalten?

Ich war vor Ort und habe gesehen, dass die Ärmsten diese Form der Unterstützung wirklich brauchen. Seit Oktober 2016 unterstützt das SRK in Armenien ältere und behinderte Menschen, die zu Hause gepflegt werden und arbeitet dafür mit dem Armenischen Roten Kreuz zusammen. Durch den engen Kontakt können wir gewährleisten, dass die Lebensmittel bei den Bedürftigsten ankommen.

Warum werden nicht die Geschenke aus der Schweiz nach Armenien transportiert?

Es ist ökonomisch und ökologisch sinnvoller, vor Ort Produkte einzukaufen, welche die Menschen kennen und am dringendsten brauchen. Es wird ausserdem immer schwieriger, gemischte Waren, wie wir sie gespendet bekommen, durch den Zoll zu bringen. Deshalb sind wir sehr dankbar, wenn viele virtuelle Pakete gespendet werden. In der Schweiz verteilen die Kantonalverbände des SRK die gespendeten Waren aus den Paketen an Bedürftige. Auch in Moldawien, Weissrussland, Bosnien und Herzegowina verteilen wir weiterhin die Geschenke aus der Schweiz.

Wissen Sie bereits, was die Menschen in Armenien besonders brauchen?

Am dringendsten sind sicher Lebensmittel. Es sollen aber auch syrisch-armenische Flüchtlinge unterstützt werden, die oftmals mit nichts als mit den Kleidern am Leib in Armenien ankommen. Diese Menschen brauchen sämtliche Güter des täglichen Bedarfs. Was genau wir umsetzen können, wird sich zeigen, wenn wir den Betrag kennen, der eingesetzt werden kann.

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